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Highlights

  • Größte rein spätgotische Hallenkirche Sachsens, 65 x 40 Meter
  • Schlingrippengewölbe von Jacob Haylmann
  • Bergaltar von 1521 mit Bildern des Silberbergbaus
  • 100 Emporenreliefs, darunter die Lebensalter von Mann und Frau
  • Bewohnter Kirchturm mit Aussicht über das Erzgebirge

Über diesen Ort

Als im Erzgebirge Ende des 15. Jahrhunderts reiche Silberadern gefunden wurden, gründete Herzog Georg der Bärtige eine neue Bergstadt und ließ ihr eine Kirche bauen, die alles überragen sollte. Die St. Annenkirche in Annaberg-Buchholz ist mit 65 Metern Länge und 40 Metern Breite die größte rein spätgotische Hallenkirche Sachsens. Innen überspannt ein Gewölbe aus verschlungenen Rippen den ganzen Raum, und auf der Rückseite des Bergaltars siehst du, wie Bergleute vor 500 Jahren Silber förderten.

Geschichte: eine Kirche aus Silber

1496/97 legte Herzog Georg die Neustadt am Schreckenberg an, seit 1501 heißt sie St. Annaberg. Die heilige Anna war seine Lieblingsheilige und zugleich Schutzpatronin der Bergleute. Den Bauplatz rund 100 Meter oberhalb des Marktes wählte man so, dass die Kirche die Stadt von allen Seiten beherrscht. 1499 wurde der Grundstein gelegt, Geld kam aus Ablass, Spenden und dem Bergbau. Ab 1515 prägte Jacob Haylmann, ein Schüler des Prager Baumeisters Benedikt Ried, den Innenraum mit Emporen und Gewölbe. 1525 war die Kirche vollendet, seit 1539 ist sie evangelisch-lutherisch. Bei einer Restaurierung ab den 1970er Jahren entfernte man fünf Schichten späterer Übermalungen, sodass der Innenraum heute wieder die Farben von 1525 zeigt.

Was du sehen solltest

  • Schlingrippengewölbe: Haylmanns Rippen verschlingen sich zu sechsteiligen Blüten, die Schlusssteine tragen Rosetten aus Zinn. Das Dach liegt selbsttragend auf Pfeilern und Außenmauern, das Gewölbe hat keine tragende Funktion.
  • Bergaltar: Geweiht 1521 und von der Bergknappschaft gestiftet. Die vier Bildtafeln auf der Rückseite, dem Maler Hans Hesse zugeschrieben, zeigen Erzabbau, Erzwäsche, Schmelzhütte und Münze. Oben links erscheint die Gründungssage: Ein Engel weist Daniel Knappe im Traum auf einen Schatz am Schreckenberg.
  • Emporenreliefs: 100 Relieftafeln aus der Werkstatt von Franz Maidburg umziehen den Raum. Den Anfang machen die Lebensalter von Frauen und Männern in Zehnjahresschritten, am hundertsten Jahr wartet der Sensenmann.
  • Kanzel: Am Aufgang arbeitet ein Bergmann, ein frühes Beispiel für die lebensnahen Formen der Renaissance.
  • Schöne Tür: Das Portal von 1512 mit einer Kreuzigungsszene stammt vom aufgelösten Franziskanerkloster und kam 1577 in die Kirche.

Wissenswertes

Der 78,6 Meter hohe Turm ist seit 500 Jahren bewohnt und gilt als einziger Kirchturm Deutschlands, in dem bis heute eine Türmerfamilie lebt. Seit 1999 lebt die Türmerfamilie Melzer in 42 Metern Höhe über der Glockenstube, betreut die Besucher und läutet die Glocken. Am Vorabend hoher kirchlicher Feste kannst du während der Turmöffnung beobachten, wie die Glocken noch von Hand am Seil geläutet werden.

Öffnungszeiten und Tickets (Stand: Oktober 2026)

  • Kirche April bis Dezember: täglich 11–17 Uhr, sonn- und feiertags 12–17 Uhr. Januar bis März: 11–16 Uhr, sonn- und feiertags 12–16 Uhr.
  • Besichtigung: 4 €, Schüler 2 €, Familie 8 €. Führung (etwa 45 Minuten, inklusive Besichtigung): 6 €, Schüler 2 €, Familie 12 €. Von April bis Dezember montags bis samstags um 11 und 14 Uhr, sonntags um 14 Uhr.
  • Turm: Mai bis Oktober montags bis samstags 10–17 Uhr, sonn- und feiertags 13:30–17 Uhr, außerdem an Ostern und an den Adventswochenenden. Turmbesteigung 3 €, Kinder 1 €.

Während Taufen, Trauungen oder Beerdigungen ist keine Besichtigung möglich. Der Zugang zur Kirche ist barrierefrei über den Turmeingang.

Anfahrt

Die Kirche steht oberhalb des Marktes, die Große Kirchgasse führt direkt auf den Turm zu. An der Kirche gibt es zwei Busparkplätze, Autofahrer parken am besten in der Innenstadt und gehen die wenigen Schritte hinauf.

Tripto-Tipp

Plane etwa eine Stunde für die Kirche und eine weitere halbe Stunde für den Turm ein. Frag bei der Führung nach den Bildtafeln des Bergaltars, denn die bekannten Bergbauszenen befinden sich auf seiner Rückseite. Nimm dir für die Emporenreliefs Zeit und suche die Wappentiere der Lebensalter, etwa Pfau oder Fledermaus. In der Adventszeit lohnt sich der Besuch besonders, dann ist auch der Turm geöffnet.

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