Kirchen & Klöster
Gnadenkapelle Altötting
Altötting, Bayern
- 1–2 Std.
Kirchen & Klöster
Altötting, Bayern
Die Gnadenkapelle auf dem Kapellplatz in Altötting gilt als bayerisches Nationalheiligtum und ist einer der meistbesuchten Wallfahrtsorte in Deutschland. In ihrem Inneren steht die Schwarze Madonna, eine kleine geschnitzte Marienfigur, und in Wandnischen ringsum die silbernen Herzurnen bayerischer Kurfürsten und Könige. Selbst wenn du nicht als Pilger kommst, beeindrucken der dunkle, kerzenbeleuchtete Raum und der Umgang voller Votivbilder.
Schon 748 war Altötting eine Pfalz der agilolfingischen Herzöge, später eine karolingische Königspfalz. Der achteckige Kern der Kapelle stammt vermutlich aus dem 8. bis 10. Jahrhundert, die genaue Datierung ist umstritten. Als die Ungarn 907 den Ort verwüsteten, blieb nur dieses Oktogon stehen. 1494 kamen ein Langhaus und der Spitzturm hinzu, 1517 der offene Umgang, 1686 die Sakristei.
Berühmt wurde Altötting durch ein Ereignis von 1489: Ein dreijähriger Junge fiel in den Mörnbach und galt als ertrunken. Seine Mutter legte ihn auf den Altar der Kapelle und betete mit anderen Gläubigen, bis das Kind wieder zu atmen begann. Danach setzte eine Wallfahrt ein, die die Wittelsbacher im Zuge der Gegenreformation kräftig förderten.
Die Figur ist 64 cm hoch, aus Lindenholz geschnitzt und kam im 14. Jahrhundert nach Altötting. Woher sie stammt, ist nicht geklärt, vermutet werden Burgund oder der Oberrhein. Seit 1518 trägt sie Kleider, ursprünglich aus den Brautkleidern bayerischer Prinzessinnen. Zepter und Krone stiftete Kurfürst Maximilian I. Papst Benedikt XVI. legte bei seinem Besuch am 11. September 2006 seinen Bischofsring vor dem Gnadenbild nieder, der heute am Zepter befestigt ist. An jedem Karfreitag um 7 Uhr wird die Madonna mit einem schwarzen Schleier verhüllt.
Die Kapelle steht frei auf dem Kapellplatz, umgeben von Stiftspfarrkirche, Jesuitenkirche, Rathaus und Kanonikerhäusern, das Ensemble steht unter Denkmalschutz. Papst Johannes Paul II. feierte hier 1980 eine Messe vor 60.000 Menschen. In der Schatzkammer siehst du das Goldene Rössl, ein Marienaltärchen aus Goldemaille, das 1404 in Paris als Neujahrsgeschenk für König Karl VI. entstand. Das Jerusalem-Panorama von Gebhard Fugel ist ein Rundbild von 12 m Höhe und 95 m Umfang, geöffnet täglich 10–17 Uhr, Eintritt 5 €.
Plane 1 bis 2 Stunden ein, mit Schatzkammer und Panorama einen halben Tag. Die Kapelle ist ein Gebetsort: Während Gottesdiensten ist es voll, besichtige dann am besten nur den Umgang. Ruhiger ist es früh am Morgen oder unter der Woche. Rund um Wallfahrtstermine und hohe Marienfeste kommen sehr viele Pilgergruppen.
Prüfe aktuelle Informationen vor dem Besuch.
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