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Highlights

  • Neun Fenster von Marc Chagall (ab 1978), seine letzten Kirchenfenster
  • Gegründet 990 von Erzbischof Willigis
  • Älteste gotische Hallenkirche am Mittelrhein
  • Spätgotischer Kreuzgang von 1462–1499
  • Führungen zu Fenstern, Kreuzgang, Glockenstube und Türmerwohnung

Über diesen Ort

Wenn die Sonne durch den Ostchor scheint, taucht sie St. Stephan in ein tiefes Blau: Die Glasfenster von Marc Chagall machen die Kirche auf dem Stephansberg zu einem der ungewöhnlichsten Kirchenräume Deutschlands. Chagall, Jude und Maler biblischer Bilder, wollte sie als Zeichen der jüdisch-deutschen Aussöhnung verstanden wissen. Dazu kommen ein stiller spätgotischer Kreuzgang und ein Turm, von dem einst ein Türmer über die Stadt wachte.

Geschichte: Gebetsstätte des Reiches

Erzbischof Willigis gründete die Kirche 990 auf der höchsten Erhebung der Stadt, wohl im Auftrag der Kaiserwitwe Theophanu, als „Gebetsstätte des Reiches“. Er wurde 1011 hier begraben, die genaue Stelle ist heute unbekannt. Ab 1043 ersetzte ein Steinbau die Holzkirche, um 1267 bis 1340 entstand der heutige Bau. Er gilt als älteste gotische Hallenkirche am Mittelrhein und nach dem Dom als bedeutendste Kirche der Stadt. 1462–1499 kam der Kreuzgang hinzu.

1857 vernichtete die Explosion eines nahen Pulverturms die barocke Ausstattung. Beim großen Luftangriff am 27. Februar 1945 brannte der Turm aus, alle Glocken schmolzen. Die Gewölbe von Langhaus und Chor wurden nicht wiederhergestellt, heute schließt eine flache Holzdecke den Raum.

Was du sehen solltest

  • Chagall-Fenster: Pfarrer Monsignore Klaus Mayer gewann den Künstler, ab 1978 schuf Chagall bis zu seinem Tod 1985 neun Fenster für den vorderen Teil der Kirche. Vor leuchtenden Blautönen erscheinen biblische Gestalten, besonders bekannt ist die Szene mit Adam und Eva im Paradies. Chagall malte die Schwarzlot-Zeichnung selbst auf das Glas, es sind seine letzten Kirchenfenster überhaupt.
  • Fenster von Charles Marq: Nach Chagalls Tod setzte Charles Marq, der 28 Jahre lang mit ihm zusammengearbeitet hatte, die Arbeit an den übrigen Fenstern fort.
  • Kreuzgang: Ein spätgotischer Kreuzgang mit Maßwerk, Schlusssteinen und Brunnen im begrünten Innenhof, ein kleiner Ruhepol mitten in der Stadt.
  • Ausstattung: Erhalten blieben vor allem die Altarmensa aus dem 13. Jahrhundert und ein großer Tabernakel um 1500.
  • Turm: Bei Führungen kannst du die Glockenstube und die ehemalige Türmerwohnung besichtigen, in der seit 2018 eine Renaissance-Glocke von 1617 hängt.

Wissenswertes

Die drei neuen Glocken von 2008 läuteten am 27. Februar 2009, dem Jahrestag der Zerstörung, zum ersten Mal zusammen. Von Oktober 1813 bis Januar 1814 diente der Turm als Station der optischen Telegrafenlinie nach Metz. Ein Chagall-Fenster mit Maria und Kind zierte 2018 eine Weihnachtsbriefmarke der Deutschen Post.

Öffnungszeiten (Stand: Oktober 2026)

  • März bis Oktober: montags bis samstags 10–18 Uhr, sonntags 12–18 Uhr
  • November bis Februar: montags bis samstags 10–16:30 Uhr, sonntags 12–16:30 Uhr

Während Gottesdiensten, Konzerten und Veranstaltungen kann die Besichtigung eingeschränkt sein. Die Pfarrei bietet etwa einstündige Führungen zu den Chagall-Fenstern an, auf Wunsch mit Kreuzgang und Turm. Einzelpersonen melden sich per E-Mail bei der Touristik von St. Stephan an, Gruppen vereinbaren einen eigenen Termin über das Pfarrbüro.

Anfahrt

Die Kirche liegt am Willigisplatz auf dem Stephansberg, südwestlich der Altstadt. Vom Dom gehst du etwa zehn Minuten, die letzten Meter geht es bergauf. Vom Hauptbahnhof sind es rund 20 Minuten zu Fuß.

Tripto-Tipp

Plane 30 bis 45 Minuten ein, mit Führung eine gute Stunde. Komm an einem sonnigen Vormittag, dann leuchten die Fenster im Ostchor am stärksten. Im Advent verbindest du den Besuch gut mit dem Weihnachtsmarkt rund um den Dom, der Weg führt durch die Altstadtgassen.

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Verifiziert16. Oktober 2026

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