Bauwerke & Wahrzeichen
Römersteine Mainz
Mainz, Rheinland-Pfalz
- 30–45 Min.
Bauwerke & Wahrzeichen
Mainz, Rheinland-Pfalz
Wie verwitterte Zähne ragen sie aus der Wiese: Im Zahlbachtal im Südwesten von Mainz steht eine lange Reihe grauer Steinpfeiler. Die Mainzer nennen sie schlicht die Römersteine. Es sind die Reste eines Aquädukts, das vor fast 2000 Jahren Wasser in das römische Legionslager Mogontiacum brachte. Wo du heute auf Kopfhöhe vor einem Mauerklotz stehst, verlief einst eine Wasserrinne in bis zu 25 Metern Höhe.
Nach den Wirren des Vierkaiserjahres 68/69 n. Chr. ließ Kaiser Vespasian das Mainzer Doppellegionslager auf dem Kästrich in Stein ausbauen. Etwa um 70 n. Chr. begann man auch mit einer steinernen Wasserleitung. Ziegelstempel entlang der Strecke zeigen, dass die XIV. Legion das Bauwerk errichtete, damit lässt sich die Bauzeit auf die Jahre zwischen 69 und 92 n. Chr. eingrenzen.
Lange hieß es, die Leitung sei rund neun Kilometer lang gewesen und habe am Königsborn bei Finthen begonnen. Sicher nachgewiesen sind bislang etwa 3,8 Kilometer des oberirdischen Abschnitts, der im Gebiet „Bettzieg“ begann und an einem Verteilerbecken beim heutigen Universitätsklinikum endete. Dazwischen musste das Zahlbachtal überbrückt werden. Mit bis zu 25 Metern Höhe gilt der Aquädukt hier als der höchste nördlich der Alpen.
Lange erzählte man von den „Rittern von Ageduch“, die hier im Mittelalter gelebt und einen Aquäduktbogen im Wappen geführt haben sollen. Inzwischen ist klar, dass die Ritter und ihre angeblichen Grabsteine eine Fälschung des 19. Jahrhunderts sind, erfunden vom Geschichtsforscher Franz Joseph Bodmann. Der Name Finthen, wo die Quellen vermutet werden, geht übrigens wohl auf das lateinische „fontanetum“ zurück, das Quellgebiet.
Die Römersteine stehen im Freien in einem Grünzug und sind frei zugänglich, Eintritt wird nicht erhoben. Entlang der Pfeilerreihe führt ein Spazierweg. Führungen und weitere römische Stätten in der Stadt, etwa das Isis- und Mater-Magna-Heiligtum in der Römerpassage, stellt die Initiative Römisches Mainz vor.
Plane 30 bis 45 Minuten ein. Die Römersteine sind eine gute Station auf einer Römer-Tour durch Mainz: Drususstein auf der Zitadelle, Römisches Theater am gleichnamigen Bahnhof und zum Schluss die Pfeiler im Zahlbachtal. Im Winter, wenn die Bäume kahl sind, siehst du die lange Reihe am besten.
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