Kirchen & Klöster
Fritzlarer Dom St. Peter
Fritzlar, Hessen
- 30–90 Min.
Kirchen & Klöster
Fritzlar, Hessen
Um 723 fällte der Missionar Bonifatius bei Geismar eine mächtige Eiche, die dem germanischen Gott Donar geweiht war, und baute aus ihrem Holz ein Bethaus für den heiligen Petrus. Aus dieser Gründung wuchs die Stadt Fritzlar, und an der Stelle steht heute der Fritzlarer Dom St. Peter. Die romanische Basilika mit ihren zwei Westtürmen zählt zu den historisch und architektonisch bedeutendsten Bauten Nordhessens. Seit 2004 trägt sie den Titel einer Basilica minor.
Wo genau die Donareiche stand, weiß niemand. Überliefert sind zwei Orte: das nahe Geismar, heute ein Stadtteil, und Fritzlar selbst. Um 732 ließ Bonifatius hier auch ein Benediktinerkloster errichten, erster Abt war der heilige Wigbert. Fritzlar wurde Schauplatz großer Reichsereignisse, 919 fand hier die Königswahl Heinrichs I. statt. 1079 zerstörten Truppen des Gegenkönigs Rudolf von Schwaben Stadt und Kirche.
Der heutige Bau geht auf eine dreischiffige Basilika zurück, die um 1085/1090 begonnen wurde. Aus dieser Zeit stammen der Westriegel mit den Türmen und die Krypta unter dem Chor. Als der Mainzer Erzbischof den Dom 1171 in schlechtem Zustand vorfand, ordnete er einen weitgehenden Neubau an. Bauleute aus Worms brachten dabei die rheinische Romanik nach Nordhessen. Der Dachstuhl über dem Chor ist bis heute original, seine Hölzer wurden 1193 gefällt.
Ein schwarzer Tag war der 7. Dezember 1868: Während der Messe riss eine Sturmböe den baufälligen Helm des Südturms herunter, Trümmer durchschlugen das Gewölbe, 21 Menschen starben. Danach erhielten beide Türme die heutigen gleichen Rautenhelme.
Im Kreuzgang zeigt das Dommuseum Gemälde, Skulpturen und liturgische Geräte vom Mittelalter bis heute. Das bekannteste Stück ist das Heinrichskreuz, ein romanisches Gemmenkreuz und eines der bedeutendsten Werke mittelalterlicher Schatzkunst in Deutschland. Der Überlieferung nach schenkte Kaiser Heinrich II. es dem Stift, die Angaben zur Entstehung reichen von 1020 bis um 1100. Teile der alten Stiftsbibliothek sind in der Dombibliothek erhalten.
Für Dom und Krypta reicht eine halbe Stunde, mit Dommuseum und Kreuzgang solltest du eineinhalb Stunden einplanen. Seit der Innensanierung von 2010 bis 2012 gibt es einen barrierefreien Zugang. Öffnungszeiten und Führungen für Dommuseum und Domschatz veröffentlicht die katholische Kirchengemeinde Fritzlar auf ihrer Website, prüfe sie vor dem Besuch.
Mit seinen beiden Türmen überragt der Dom die Dächer der Fritzlarer Altstadt, ein Bummel durch die Gassen bietet sich nach dem Besuch an. Vor der Westfassade erinnert eine Statue an Bonifatius, zusammen mit den Türmen ein gutes Fotomotiv. Wer der Gründungsgeschichte nachspüren will, fährt in den Stadtteil Geismar, einen der beiden überlieferten Orte der Donareiche.
Prüfe aktuelle Informationen vor dem Besuch.
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