Kirchen & Klöster
Dom und Domschatz Halberstadt
Halberstadt, Sachsen-Anhalt
- 1,5–3 Std.
Kirchen & Klöster
Halberstadt, Sachsen-Anhalt
Kaum eine Kirche in Deutschland folgt dem Vorbild der großen französischen Kathedralen so konsequent wie der Dom St. Stephanus und St. Sixtus in Halberstadt. Fast 250 Jahre lang wurde an ihm gebaut, und weil das Domkapitel kaum etwas weggab, ist in seinen Räumen noch heute eine enorme mittelalterliche Ausstattung erhalten: Altäre, Reliquiare, Gewänder, Möbel, Handschriften. Dom und Domschatz gelten zusammen als größtes mittelalterliches Ensemble am Ort seines Gebrauchs außerhalb des Vatikans.
Halberstadt wurde im 9. Jahrhundert Bischofssitz. Ein karolingischer Dom wurde 859 geweiht, stürzte aber 965 ein, sein ottonischer Nachfolger wurde 992 geweiht. Als Magdeburg ab 1209 einen modernen gotischen Dom baute, zog Halberstadt nach. Ungewöhnlich: Man begann mit dem Westbau, um den alten Dom so lange wie möglich weiterzunutzen. Das Langhaus folgte ab etwa 1260 mit einem Mittelschiff von 27 Metern Höhe und offenem Strebewerk nach Vorbild von Reims, der Chor wurde 1401 geweiht und 1491 schließlich die ganze Kathedrale. Nach der Reformation 1591 beteten katholische und evangelische Domherren hier bis 1810 gemeinsam. Am 8. April 1945 trafen zwölf Bomben den Dom, doch Glasmalereien und Kunstwerke waren ausgelagert. Seit 2010 sitzt auch der Dachreiter über der Vierung wieder an seinem Platz.
Die drei ältesten Strebepfeiler an der Nordseite waren so schlank gebaut, dass Teile des Langhauses einzustürzen drohten. Von den 1960er bis in die 1980er Jahre tauschte man ganze Pfeilerbereiche aus, während Stahlgerüste Gewölbe und Langhaus abstützten. Die Altstadt rund um den Dom zählte bis 1945 zu den bedeutendsten historischen Stadtbildern Deutschlands, mit über tausend Fachwerkhäusern.
Dom und Kreuzgang sind stufenlos zugänglich, im Domschatz führen kurze Treppen in die Gewänderräume und die Schatzkammer.
Der Dom steht am Domplatz am Rand der Halberstädter Altstadt. Eingang ist das barrierefreie Nordportal, daneben liegt das neue Besucherzentrum mit Shop und Café.
Plane zwei Stunden für Dom und Domschatz ein, mit Führung durch beide etwa 90 Minuten. Komm freitags oder samstags gegen Mittag, dann hörst du die Orgel zum Rundgang. Im Domschatz lohnt es sich, vor den Bildteppichen stehen zu bleiben: Sie sind rund 850 Jahre alt und haben die Zerstörung der Stadt 1945 überstanden. Danach lohnt ein Blick in den Kreuzgang, bevor du über den Domplatz zurück in die Altstadt gehst.
Prüfe aktuelle Informationen vor dem Besuch.
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