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Highlights

  • Gotische Kathedrale nach französischem Vorbild, 1491 vollendet
  • Triumphkreuzgruppe um 1220 über dem Lettner von 1510
  • Domschatz mit romanischen Bildteppichen aus dem 12. Jahrhundert
  • Romanischer Taufstein aus Rübeländer Marmor
  • Mittagliches Orgelspiel freitags und samstags

Über diesen Ort

Kaum eine Kirche in Deutschland folgt dem Vorbild der großen französischen Kathedralen so konsequent wie der Dom St. Stephanus und St. Sixtus in Halberstadt. Fast 250 Jahre lang wurde an ihm gebaut, und weil das Domkapitel kaum etwas weggab, ist in seinen Räumen noch heute eine enorme mittelalterliche Ausstattung erhalten: Altäre, Reliquiare, Gewänder, Möbel, Handschriften. Dom und Domschatz gelten zusammen als größtes mittelalterliches Ensemble am Ort seines Gebrauchs außerhalb des Vatikans.

Geschichte: Wettbewerb mit Magdeburg

Halberstadt wurde im 9. Jahrhundert Bischofssitz. Ein karolingischer Dom wurde 859 geweiht, stürzte aber 965 ein, sein ottonischer Nachfolger wurde 992 geweiht. Als Magdeburg ab 1209 einen modernen gotischen Dom baute, zog Halberstadt nach. Ungewöhnlich: Man begann mit dem Westbau, um den alten Dom so lange wie möglich weiterzunutzen. Das Langhaus folgte ab etwa 1260 mit einem Mittelschiff von 27 Metern Höhe und offenem Strebewerk nach Vorbild von Reims, der Chor wurde 1401 geweiht und 1491 schließlich die ganze Kathedrale. Nach der Reformation 1591 beteten katholische und evangelische Domherren hier bis 1810 gemeinsam. Am 8. April 1945 trafen zwölf Bomben den Dom, doch Glasmalereien und Kunstwerke waren ausgelagert. Seit 2010 sitzt auch der Dachreiter über der Vierung wieder an seinem Platz.

Was du sehen solltest

  • Lettner und Triumphkreuz: Der spätgotische Lettner von 1510 trennt den Hochchor ab. Darüber steht die hölzerne Triumphkreuzgruppe aus der Zeit um 1220, älter als der heutige Dom, rund 5 Meter hoch, mit originaler Farbfassung.
  • Taufstein: Der romanische Kelch aus Rübeländer Marmor wird von vier Löwen getragen und wurde Ende des 12. Jahrhunderts von Bischof Gardolf gestiftet.
  • Glasmalereien: In der Marienkapelle sind die ältesten Scheiben um 1340 entstanden.
  • Domschatz: Im Obergeschoss der Klausur liegen unter anderem der Abraham-Engel-Teppich und der Christus-Apostel-Teppich aus dem 12. Jahrhundert, die als älteste bekannte gewirkte Bildteppiche Europas gelten, dazu ein Elfenbein-Diptychon aus Ravenna von 417 und ein venezianisches Bergkristallkreuz.
  • Westportal und Kreuzgang: Das frühgotische Doppelportal zeigt ein Weltgericht mit Löwe und Christusbüste, im Süden schließt der vierflügelige Kreuzgang an.

Wissenswertes

Die drei ältesten Strebepfeiler an der Nordseite waren so schlank gebaut, dass Teile des Langhauses einzustürzen drohten. Von den 1960er bis in die 1980er Jahre tauschte man ganze Pfeilerbereiche aus, während Stahlgerüste Gewölbe und Langhaus abstützten. Die Altstadt rund um den Dom zählte bis 1945 zu den bedeutendsten historischen Stadtbildern Deutschlands, mit über tausend Fachwerkhäusern.

Öffnungszeiten und Tickets (Stand: Oktober 2026)

  • April bis Oktober: Domschatz dienstags bis sonntags 10–17 Uhr. Dom dienstags bis samstags 10–17 Uhr, sonn- und feiertags 11–17 Uhr.
  • November bis März: jeweils bis 16 Uhr. Am 24. und 31. Dezember geschlossen.
  • Eintritt: 9 €, ermäßigt 7 €, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre frei. Tickets gibt es online und vor Ort.
  • Orgel: freitags um 12 Uhr Orgelandacht, samstags um 12 Uhr Orgelspiel.

Dom und Kreuzgang sind stufenlos zugänglich, im Domschatz führen kurze Treppen in die Gewänderräume und die Schatzkammer.

Anfahrt

Der Dom steht am Domplatz am Rand der Halberstädter Altstadt. Eingang ist das barrierefreie Nordportal, daneben liegt das neue Besucherzentrum mit Shop und Café.

Tripto-Tipp

Plane zwei Stunden für Dom und Domschatz ein, mit Führung durch beide etwa 90 Minuten. Komm freitags oder samstags gegen Mittag, dann hörst du die Orgel zum Rundgang. Im Domschatz lohnt es sich, vor den Bildteppichen stehen zu bleiben: Sie sind rund 850 Jahre alt und haben die Zerstörung der Stadt 1945 überstanden. Danach lohnt ein Blick in den Kreuzgang, bevor du über den Domplatz zurück in die Altstadt gehst.

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