Festungen
Insel Wilhelmstein
Wunstorf, Niedersachsen
- 2–3 Std.
Festungen
Wunstorf, Niedersachsen
Vom Ufer in Steinhude sieht der Wilhelmstein aus wie ein grünes Inselchen mit ein paar Häusern, doch dahinter steckt eine der ungewöhnlichsten Festungen Europas. Graf Wilhelm zu Schaumburg-Lippe ließ ab 1761 mitten im Steinhuder Meer eine Insel aufschütten und darauf eine Festung bauen, um seinen winzigen Staat mit damals nur 17.000 Einwohnern zu schützen. Man belächelte die Idee als Spielerei eines Kanonengrafen, bis die Festung 1787 tatsächlich einer Belagerung standhielt. Heute erreichst du die Insel mit dem Boot und kannst Kasematten, Kommandantenwohnung und Turm besichtigen.
Von 1761 bis 1765 schafften die Untertanen an jedem Werktag rund 30 Kubikmeter Sand, Kies und Steine heran, im Sommer mit Fischerbooten, im Winter auf Schlitten über das Eis. Für den Transport wurde eigens der 1,2 Kilometer lange Hagenburger Kanal gegraben. Bezahlt wurden die Arbeiter trotzdem. Von 1765 bis 1767 entstand eine sternförmige Schanze mit vier Bastionen, rundherum 16 kleinere Inseln als Außenwerke mit Kanonenstellungen, Werkstätten, Lazarett und sogar einer Windmühle. 1777 standen hier 166 Kanonen. Um 1810 wurden die Zwischenräume aufgefüllt, so entstand die heutige, fast quadratische Insel mit rund 100 Metern Seitenlänge.
Graf Wilhelm richtete auf der Insel auch eine Militärschule ein. Ihr berühmtester Schüler war Gerhard von Scharnhorst, der spätere preußische Heeresreformer, der ab 1773 als 18-Jähriger hier lernte. Seine größte Bewährungsprobe erlebte die Festung nach dem Tod der Grafen: 1787 besetzten Truppen aus Hessen-Kassel die Grafschaft, nur auf dem Wilhelmstein verschanzten sich rund 150 Mann. Etwa 2800 Belagerer kamen nicht heran, weil ihre Kanonen am morastigen Ufer nicht nah genug standen, und Hannover versorgte die Insel vom Nordufer aus. Als Preußen und Hannover Truppen sammelten, zogen die Hessen ab. Später diente die Festung als Staatsgefängnis.
Die Festung ist vom 20. März bis 31. Oktober 2026 täglich geöffnet. Vom 1. November bis 19. März gilt auf dem Steinhuder Meer ein Winterfahrverbot, die Insel ist dann geschlossen. Der Eintritt kostet 5 €, Kinder von 4 bis 13 Jahren zahlen 2 €, jüngere Kinder sind frei, Gruppen ab 10 Personen 4 € pro Person. Tickets gibt es im Inselladen oder am Kiosk, Kartenzahlung wird bevorzugt. Die Überfahrt bezahlst du separat. Hunde dürfen auf die Insel, aber nicht in die Festung. Führungen werden an ausgewählten Terminen angeboten.
Die Boote der Steinhuder Personenschifffahrt starten am Anleger Strandterrassen, Meerstraße 2 in Steinhude und am Anleger Jugendherberge/Pilz am Warteweg in Mardorf. Die Fahrt mit den traditionellen Auswandererbooten dauert ab Steinhude etwa 25 Minuten, außerdem fährt ein Linienschiff. In beiden Orten gibt es ausgewiesene Parkplätze. Steinhude ist ein Ortsteil von Wunstorf, mit der S-Bahn kommst du von Hannover bis Wunstorf.
Plane mit Überfahrt zwei bis drei Stunden ein. Steig auf jeden Fall auf den Turm, und lass dir auf dem Rückweg Zeit für einen Bummel über die Promenade in Steinhude. Bei Wind kann die Fahrt im offenen Auswandererboot frisch werden, eine Jacke gehört auch im Sommer ins Gepäck.
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