Denkmäler & Monumente
Denkmal für die ermordeten Juden Europas (Holocaust-Mahnmal)
Berlin, Berlin
- Öffnungszeiten
- Eintritt frei
- 0,5–2 Std.
- Bei Regen
Denkmäler & Monumente
Berlin, Berlin

Audioguide
Station 6 von 14 · Diese Sehenswürdigkeit ist Station eines Audio-Spaziergangs
„Ein stiller Ort. Geh hinein.”
14 Stationen 95 Min. 4,2 km
Das Holocaust-Mahnmal in Berlin, offiziell Denkmal für die ermordeten Juden Europas, ist eine der bewegendsten Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt. Direkt südlich des Brandenburger Tors erstreckt sich ein Feld aus grauen Betonstelen, durch das du frei hindurchgehen kannst. Darunter liegt der Ort der Information, eine Ausstellung über die Opfer der Shoah. Wer Berlin verstehen will, sollte sich für diesen Ort Zeit nehmen – nicht nur für ein schnelles Foto.
Die Idee geht auf das Jahr 1988 zurück: Die Publizistin Lea Rosh warb gemeinsam mit Mitstreitern für ein zentrales Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Es folgten jahrelange Debatten, Wettbewerbe und zahlreiche Entwürfe. Am 25. Juni 1999 stimmte der Deutsche Bundestag mit 312 zu 207 Stimmen für den Bau nach dem Entwurf des New Yorker Architekten Peter Eisenman. Im Jahr 2000 wurde per Gesetz die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas gegründet, die das Denkmal bis heute betreibt.
Der Bau begann im April 2003 und wurde im Herbst desselben Jahres kurz unterbrochen: Es war bekannt geworden, dass der Konzern Degussa am Bau beteiligt war – eine frühere Tochterfirma hatte das Giftgas Zyklon B hergestellt. Nach intensiver Diskussion ging der Bau weiter. Am 10. Mai 2005 wurde das Denkmal feierlich eingeweiht, zwei Tage später öffnete es für die Öffentlichkeit. Gleich im ersten Jahr kamen mehr als 3,5 Millionen Menschen.
Auch der Ort selbst ist historisch aufgeladen: Unter dem Areal befanden sich in der NS-Zeit das Gelände der Dienstvilla von Joseph Goebbels und sein Bunker. Sichtbar ist davon nichts mehr – der Platz gehört heute ganz der Erinnerung an die Opfer.
Das Stelenfeld: Auf rund 19.000 Quadratmetern stehen etwa 2.700 Betonquader in einem strengen Raster. Jede Stele ist 2,38 Meter lang und 95 Zentimeter breit, die Höhe reicht von bodengleich bis zu 4,7 Metern. Weil der Boden in Wellen abfällt, wirst du beim Hineingehen von den Blöcken förmlich verschluckt. Die Geräusche der Stadt werden leiser, Sichtachsen öffnen und schließen sich, andere Menschen tauchen auf und verschwinden wieder. Eisenman hat bewusst auf Inschriften und Symbole verzichtet – die Wirkung entsteht allein durch den Raum.
Der Ort der Information: Unter dem Südostrand des Feldes liegt eine unterirdische Ausstellung, gestaltet von Dagmar von Wilcken. Auf rund 930 Quadratmetern geht es um einzelne Familien, persönliche Briefe und Tagebuchauszüge, um die Dimension des Völkermords und um die Orte der Verfolgung und Vernichtung in ganz Europa. Besonders eindrücklich ist der Raum, in dem Namen und Kurzbiografien ermordeter Menschen vorgelesen werden. An Computerstationen kannst du in Datenbanken mit Millionen Opfernamen recherchieren, die unter anderem aus der Datenbank von Yad Vashem stammen.
Plane für die Ausstellung mindestens eine Stunde ein. Das Stelenfeld selbst kannst du in 20 bis 30 Minuten durchqueren, viele Besucher bleiben aber deutlich länger.
Stand: Oktober 2026, laut Stiftung Denkmal:
Der Zugang zur Ausstellung erfolgt über eine Sicherheitsschleuse. An Wochenenden und in den Ferien bildet sich davor oft eine Schlange, kurze Wartezeiten sind normal. Am ruhigsten ist es meist an Werktagen direkt ab der Öffnung. Bei Feiertagen und kurzfristigen Schließungen lohnt sich vorab ein Blick auf die Website der Stiftung.
Das Mahnmal ist ein Ort der Erinnerung, kein Spielplatz und keine Fotokulisse. Auf die Stelen zu klettern, von Block zu Block zu springen, zu picknicken oder laut Musik zu hören, gehört sich hier nicht und ist laut Platzordnung untersagt. Fotografieren ist erlaubt – überlege dir aber, welche Bilder angemessen sind. Gerade mit Kindern ist es sinnvoll, vorher zu erklären, wofür der Ort steht. Im Februar 2025 wurde im Stelenfeld ein Besucher bei einem Messerangriff schwer verletzt; die Ermittler gehen von einem antisemitischen Motiv aus.
Das Denkmal liegt in Berlin-Mitte zwischen Ebertstraße, Behrenstraße, Cora-Berliner-Straße und Hannah-Arendt-Straße. Der Eingang zum Ort der Information befindet sich an der Cora-Berliner-Straße 1.
Ein Teil der Gänge im Stelenfeld ist für Rollstühle befahrbar, das Gelände ist allerdings uneben und teils geneigt. Für den Aufzug in die Ausstellung meldest du dich am besten vorher bei der Stiftung. Für gehörlose Menschen und Menschen mit Lernschwierigkeiten gibt es Angebote in Gebärdensprache und Leichter Sprache. Kinder ab dem Schulalter können die Ausstellung mit Begleitung gut erleben; für kleinere Kinder ist eher ein ruhiger Gang durchs Stelenfeld geeignet.
Das Brandenburger Tor, der Reichstag und der Tiergarten liegen direkt nebenan. Im Tiergarten findest du außerdem die Denkmäler für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen und für die ermordeten Sinti und Roma Europas, die ebenfalls von der Stiftung betreut werden. Zur Topographie des Terrors läufst du rund 20 Minuten.
Stelenfeld rund um die Uhr zugänglich; Ausstellung im Ort der Information Dienstag bis Sonntag 10–18 Uhr (letzter Einlass 17.15 Uhr), montags geschlossen.
Eintritt frei für Stelenfeld und Ausstellung; Audioguide 3 €, ermäßigt 2 € nur für Schulgruppen.
Prüfe aktuelle Informationen vor dem Besuch.
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Geprüft: Oktober 2026