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Highlights

  • Kunst- und Naturalienkammer von 1698 mit rund 3000 Objekten
  • Barocke Kulissenbibliothek von 1728 mit etwa 50.000 Bänden
  • Langes Haus, über 110 Meter lang und bis zu sechs Stockwerke hoch
  • Altan auf dem Dach des Waisenhauses mit Rundblick über Halle
  • Lindenhof mit Francke-Denkmal

Über diesen Ort

Mit vier Talern und 16 Groschen aus einer Armenbüchse fing alles an. Der Pfarrer und Theologe August Hermann Francke eröffnete 1695 davon eine Schule für arme Kinder, drei Jahre später legte er den Grundstein für ein Waisenhaus. Daraus wuchs eine ganze Schulstadt mit Druckerei, Apotheke, Bibliothek und einer Wunderkammer, die bis heute fast unverändert erhalten ist. Die Franckeschen Stiftungen liegen nur wenige Gehminuten vom Marktplatz in Halle (Saale) entfernt und stehen auf der deutschen Vorschlagsliste für das UNESCO-Welterbe.

Geschichte: von der Armenschule zur Schulstadt

Francke kam 1691 als Pfarrer nach Glaucha, damals ein armes Vorstadtdorf vor Halle, und lehrte zugleich an der neuen Universität. Seine Armenschule sprach sich schnell herum: Schon im Sommer 1695 saßen 50 Kinder im Unterricht, bald schickten auch wohlhabende Familien ihren Nachwuchs. 1698 begann der Bau des Waisenhauses, im April 1701 wurde es eingeweiht. Kurfürstliche Privilegien erlaubten Francke Buchhandlung, Druckerei und Apotheke, deren Gewinne die Schulen finanzierten. Ab 1710 druckte die Cansteinsche Bibelanstalt hier Millionen preiswerter Bibeln, und hallesche Lehrer, Ärzte und Missionare trugen die Ideen der Stiftungen bis nach Russland, Indien und Nordamerika. 1911 lernten auf dem Gelände 3056 Schülerinnen und Schüler. In der DDR verfielen viele Gebäude, ab 1991 wurde das Ensemble saniert.

Was du sehen solltest

  • Historisches Waisenhaus: Der erste Bau der Anlage mit seiner Freitreppe zum Franckeplatz ist heute das kulturelle Zentrum mit Dauer- und Wechselausstellungen.
  • Kunst- und Naturalienkammer: Unter dem ältesten Mansarddach Mitteldeutschlands stehen 18 bemalte Sammlungsschränke mit rund 3000 Objekten. Von der Decke hängt ein ausgestopftes Nilkrokodil, in den Schränken liegen ein tätowierter Fisch, ein versteinertes Stück Käse aus Ungarn und ein winziger chinesischer Damenschuh.
  • Kulissenbibliothek: Die Regale ragen wie Theaterkulissen in den Saal, etwa 50.000 Bände stehen darin. Das Gebäude von 1728 gilt als ältester erhaltener Zweckbau für eine nichtkirchliche Bibliothek in Deutschland.
  • Langes Haus: Mit über 110 Metern Länge und bis zu sechs Stockwerken ist es die größte Fachwerkkonstruktion Europas.
  • Altan: Bei gutem Wetter kannst du auf das Dach des Waisenhauses steigen und rundum über Halle schauen.

Wissenswertes

Die Wunderkammer gilt als ältester bürgerlicher Museumsraum Deutschlands. Ihre heutige Ordnung stammt aus den Jahren 1736 bis 1741: Der Maler und Naturforscher Gottfried August Gründler sortierte die Naturalien als Erster in einem Museum nach dem System von Carl von Linné. Nach Jahrzehnten der Zerstreuung ist die Sammlung seit dem 12. Oktober 1995 wieder am alten Platz zu sehen, im früheren Schlafsaal der Waisenknaben. Auch die Bibliothek hatte prominente Gäste: Goethe und Winckelmann bewunderten ihre Bestände, zu denen die erste in Amerika gedruckte deutsche Bibel gehört.

Öffnungszeiten und Tickets (Stand: Oktober 2026)

  • Museum und Ausstellungen: dienstags bis sonntags und an Feiertagen 10–17 Uhr, montags geschlossen, ebenso am 24., 25., 26. und 31. Dezember sowie am 1. Januar.
  • Eintritt: 8 €, ermäßigt 5 €, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre frei.
  • Öffentliche Führung: „Der Stifter und sein Werk“ jeden Samstag um 11 Uhr, 2 € zusätzlich zum Eintritt.

Anfahrt und Parken

Die Straßenbahn hält an den Haltestellen Franckeplatz und Steinweg direkt vor dem Gelände. Auf dem Stiftungsgelände selbst gibt es keine Parkplätze, nutze die öffentlichen Parkmöglichkeiten der Umgebung. Wer einen Behindertenausweis sichtbar auslegt, darf auf dem Gelände parken.

Tripto-Tipp

Plane für Wunderkammer, Bibliothek und einen Rundgang über den Lindenhof etwa zwei Stunden ein. Gehe zuerst hinauf in die Kunst- und Naturalienkammer und danach auf den Altan, solange das Wetter hält. Taschen größer als A4 kommen ins Schließfach, dafür brauchst du ein 1-€-Stück. Fotografieren ohne Blitz ist erlaubt. Bis zum Marktplatz mit den Hausmannstürmen der Marktkirche läufst du etwa zehn Minuten.

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Verifiziert14. Oktober 2026

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