Bauwerke & Wahrzeichen
Franckesche Stiftungen
Halle (Saale), Sachsen-Anhalt
- 1,5–3 Std.
Bauwerke & Wahrzeichen
Halle (Saale), Sachsen-Anhalt
Mit vier Talern und 16 Groschen aus einer Armenbüchse fing alles an. Der Pfarrer und Theologe August Hermann Francke eröffnete 1695 davon eine Schule für arme Kinder, drei Jahre später legte er den Grundstein für ein Waisenhaus. Daraus wuchs eine ganze Schulstadt mit Druckerei, Apotheke, Bibliothek und einer Wunderkammer, die bis heute fast unverändert erhalten ist. Die Franckeschen Stiftungen liegen nur wenige Gehminuten vom Marktplatz in Halle (Saale) entfernt und stehen auf der deutschen Vorschlagsliste für das UNESCO-Welterbe.
Francke kam 1691 als Pfarrer nach Glaucha, damals ein armes Vorstadtdorf vor Halle, und lehrte zugleich an der neuen Universität. Seine Armenschule sprach sich schnell herum: Schon im Sommer 1695 saßen 50 Kinder im Unterricht, bald schickten auch wohlhabende Familien ihren Nachwuchs. 1698 begann der Bau des Waisenhauses, im April 1701 wurde es eingeweiht. Kurfürstliche Privilegien erlaubten Francke Buchhandlung, Druckerei und Apotheke, deren Gewinne die Schulen finanzierten. Ab 1710 druckte die Cansteinsche Bibelanstalt hier Millionen preiswerter Bibeln, und hallesche Lehrer, Ärzte und Missionare trugen die Ideen der Stiftungen bis nach Russland, Indien und Nordamerika. 1911 lernten auf dem Gelände 3056 Schülerinnen und Schüler. In der DDR verfielen viele Gebäude, ab 1991 wurde das Ensemble saniert.
Die Wunderkammer gilt als ältester bürgerlicher Museumsraum Deutschlands. Ihre heutige Ordnung stammt aus den Jahren 1736 bis 1741: Der Maler und Naturforscher Gottfried August Gründler sortierte die Naturalien als Erster in einem Museum nach dem System von Carl von Linné. Nach Jahrzehnten der Zerstreuung ist die Sammlung seit dem 12. Oktober 1995 wieder am alten Platz zu sehen, im früheren Schlafsaal der Waisenknaben. Auch die Bibliothek hatte prominente Gäste: Goethe und Winckelmann bewunderten ihre Bestände, zu denen die erste in Amerika gedruckte deutsche Bibel gehört.
Die Straßenbahn hält an den Haltestellen Franckeplatz und Steinweg direkt vor dem Gelände. Auf dem Stiftungsgelände selbst gibt es keine Parkplätze, nutze die öffentlichen Parkmöglichkeiten der Umgebung. Wer einen Behindertenausweis sichtbar auslegt, darf auf dem Gelände parken.
Plane für Wunderkammer, Bibliothek und einen Rundgang über den Lindenhof etwa zwei Stunden ein. Gehe zuerst hinauf in die Kunst- und Naturalienkammer und danach auf den Altan, solange das Wetter hält. Taschen größer als A4 kommen ins Schließfach, dafür brauchst du ein 1-€-Stück. Fotografieren ohne Blitz ist erlaubt. Bis zum Marktplatz mit den Hausmannstürmen der Marktkirche läufst du etwa zehn Minuten.
Prüfe aktuelle Informationen vor dem Besuch.
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