Natur
Felsenmeer
Lautertal (Odenwald), Hessen
- 1,5–4 Std.
Natur
Lautertal (Odenwald), Hessen
Am Hang des Felsbergs oberhalb von Lautertal-Reichenbach liegt ein Strom aus Stein: Tausende dunkelgraue, rund geschliffene Blöcke ziehen sich wie ein erstarrter Fluss durch den Buchenwald. Das Felsenmeer im Odenwald ist etwas mehr als 2 km lang, bis zu 100 m breit und überwindet rund 200 Höhenmeter. Wer hier von Block zu Block klettert, stößt mittendrin auf eine Überraschung: Werkstücke, die römische Steinmetze vor rund 1700 Jahren bearbeitet und dann liegen gelassen haben.
Die Blöcke bestehen aus Quarzdiorit, einem granitähnlichen Tiefengestein, das die Steinmetze später „Felsberg-Granit“ nannten. Es entstand in 12 bis 15 km Tiefe und kühlte über Millionen Jahre ab, dabei riss es in Klüfte. Unter subtropischem Klima zersetzte die Verwitterung das Gestein entlang dieser Risse und rundete die Kanten ab, Geologen sprechen von Wollsackverwitterung. In der letzten Eiszeit spülte Schmelzwasser den Grus zwischen den Blöcken aus, die freigelegten Brocken rutschten hangabwärts und sammelten sich im Tälchen des Felsenmeerbachs. 2006 wurde das Felsenmeer als Nationaler Geotop ausgezeichnet, es gehört zum UNESCO-Geopark Bergstraße-Odenwald und liegt im Naturschutzgebiet „Felsberg bei Reichenbach“.
Was das Felsenmeer von anderen Blockhalden unterscheidet, sind die römischen Werkplätze. Fast 300 unfertige oder beschädigte Werkstücke auf 15 Werkplätzen sind erhalten, datiert auf das 2. bis 4. Jahrhundert. Die Steinmetze spalteten die Blöcke mit eisernen Keilen und schliffen sie mit Sägen, die sie direkt über den Felsen aufbauten. Zeigte ein Block kurz vor der Fertigstellung einen Fehler im Gestein, blieb er liegen. Genau diese Fehlschläge kannst du heute anschauen.
Die Menschen im Lautertal hatten eine eigene Erklärung für die Steine: Zwei Riesen, einer auf dem Felsberg, einer auf dem gegenüberliegenden Hohenstein, bewarfen sich im Streit mit Felsbrocken. Der Riese vom Felsberg verlor und liegt bis heute unter den Blöcken begraben. Manche sagen, man höre ihn gelegentlich noch brüllen.
Der klassische Weg führt vom Parkplatz am Informationszentrum direkt durch die Blöcke bergauf zur Riesensäule. Für Auf- und Abstieg mit Pausen solltest du mindestens 1,5 bis 2 Stunden einplanen, mit Infozentrum und Rundweg eher einen halben Tag. Bequemer ist der Einstieg von oben bei den Römersteinen in Beedenkirchen, dort beginnt auch der 2,5 km lange geologisch-historische Lehrpfad. Das Gelände ist frei zugänglich, eine Gebühr fällt nur fürs Parken an.
Trage feste Schuhe mit griffigem Profil, auf nassem Fels wird es rutschig. Für Kinderwagen und Rollstühle ist das Blockfeld nicht geeignet. Bitte bleib beim Abstieg auf den Wegen: Durch Trampelpfade leidet der Wald, deshalb hat HessenForst im Herbst 2026 zusätzliche Flächen zur Waldverjüngung eingezäunt.
Im Infozentrum gibt es einen Shop und das Bistro „Koboldklause“ mit Biergarten, an vielen Wochenenden hat auch der Kiosk an der Riesensäule geöffnet.
Fahr über die Beedenkirchener Straße zum Parkplatz Felsenmeer. Nicht über Auerbach-Hochstädten anfahren: Die Felsbergstraße ist dort gesperrt und endet als Wanderweg, auch wenn Navigationsapps sie vorschlagen. Parken kostet 5 € pro Tag für Autos, 3 € für Motorräder und 10 € für Wohnmobile. Nimm passende Münzen mit, Scheine werden nicht angenommen. An schönen Wochenenden ist der Parkplatz schnell voll, Ausweichparkplätze gibt es am Ohlyturm auf dem Felsberg und an der Lautertalhalle.
Prüfe aktuelle Informationen vor dem Besuch.
Booking.com
Hotels, Pensionen und Apartments in der Nähe von Felsenmeer.
Affiliate-Link — wir können eine Provision für Buchungen erhalten.