Natur
Eiskapelle am Watzmann
Schönau am Königssee, Bayern
- 3–4 Std.
Natur
Schönau am Königssee, Bayern
Über dir ragt die Watzmann-Ostwand auf, die höchste Felswand der Ostalpen, vor dir liegt mitten im Sommer ein graues, schmutziges Schneefeld zwischen Felsblöcken. Die Eiskapelle am Fuß der Ostwand ist das tiefstgelegene ganzjährige Schneefeld der Deutschen Alpen, sein unteres Ende liegt auf rund 930 Metern. Ihren Namen hatte sie von einer Höhle, die das Schmelzwasser in den Schnee spülte. Diese Eishöhle ist im September 2025 größtenteils eingestürzt. Die Wanderung von St. Bartholomä am Königssee bleibt trotzdem eine der eindrucksvollsten kurzen Touren im Nationalpark Berchtesgaden, wenn du die Gefahren ernst nimmst.
Im Frühjahr donnern Lawinen über die Ostwand des Watzmanns herab und sammeln sich im Winkel unter der Wand. Aus diesem Lawinenschnee speist sich das Schneefeld, das auch im Sommer nicht ganz verschwindet. Bei der ersten genauen Vermessung der bayerischen Gletscher 1892 war die Eiskapelle noch ein kleiner, eigenständiger Gletscher. Zwischen 1920 und 1950 verlor sie ihre Gletscherzunge, seitdem ist sie ein Firn- und Schneefeld. Im Inneren bildete das Schmelzwasser des Eisbachs über Jahrzehnte einen gangförmigen Hohlraum, die eigentliche Eiskapelle. Mit dem Klimawandel schmolz das Eis immer schneller, im September 2025 brach die Höhle zum großen Teil zusammen. Ob sie sich je wieder bildet, ist offen.
Zusammen mit der Watzmann-Ostwand zählt die Eiskapelle zu den hundert schönsten Geotopen Bayerns. Die Ostwand ist die höchste Felswand der Ostalpen und hat seit der Erstdurchsteigung 1881 mehr als 100 Menschen das Leben gekostet.
Die Eiskapelle erreichst du nur über St. Bartholomä, also zuerst mit dem Schiff über den Königssee. Von der Anlegestelle gehst du Richtung Nationalpark-Informationsstelle, dann zeigen Schilder den Weg über den Eisbach zur Kapelle St. Johann und Paul. Dahinter wird der Weg steiler, führt durch ein kurzes Waldstück und dann durch raues Gelände zwischen Felsbrocken bis zum Schneefeld. Für die rund 6 Kilometer hin und zurück mit etwa 250 Höhenmetern solltest du drei bis vier Stunden einplanen. Die Tour gilt als mittelschwer, festes Schuhwerk ist Pflicht.
Betritt das Schneefeld nicht und geh nicht unter Eisüberhänge. Schon vor dem Einsturz kamen hier Menschen durch herabstürzendes Eis ums Leben, nach dem Einsturz warnt der Nationalpark dringend davor, das Gelände zu betreten. Steinschlag aus der Ostwand ist jederzeit möglich. Während der Schneeschmelze bis in den Frühsommer und nach starkem Regen können die Bäche anschwellen und den Weg erschweren.
Die Boote der Königssee-Schifffahrt fahren ab Seelände in Schönau am Königssee nach St. Bartholomä, die Fahrt dauert etwa 35 Minuten. Hin- und Rückfahrt kosten 23,40 €, einfach 11,70 €. Im Sommerfahrplan bis 11. Oktober 2026 fahren die Boote ab 8 bzw. 9 Uhr etwa alle 30 Minuten, die letzte Rückfahrt ab St. Bartholomä ist je nach Saison zwischen 17:30 und 18 Uhr. Die Schifffahrt verkehrt das ganze Jahr. An schönen Tagen gibt es Wartezeiten: Fahr am besten vor 10:30 Uhr hin und vor 14:30 Uhr zurück.
Plane einen ganzen Vormittag ein: früh mit dem Schiff nach St. Bartholomä, die Wanderung zur Eiskapelle und danach Zeit für die Wallfahrtskirche mit den roten Zwiebeltürmen. In der Nationalpark-Informationsstelle in St. Bartholomä zeigt die Ausstellung „Wasser versetzt Berge“, wie Wasser und Eis die Landschaft formen, von Mai bis Oktober 10–16 Uhr.
Prüfe aktuelle Informationen vor dem Besuch.
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