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Highlights

  • Kirche von 1482 bis 1484 in einer Höhlung des Schlossfelsens
  • Zugang durch einen 38 m langen, 1980 gesprengten Felstunnel
  • Flügelaltar mit der Passion Christi
  • Orgel von 2001 im Gehäuse der Brüder Stumm von 1756
  • Sage vom Brudermord auf Burg Bosselstein

Über diesen Ort

Wer durch die Altstadt von Oberstein bummelt und nach oben schaut, sieht ein weißes Kirchlein, das wie angeklebt in einer fast senkrechten Felswand hängt. Die Felsenkirche wurde vor über 500 Jahren in eine Höhlung des Schlossfelsens gebaut, rund 60 m unterhalb der alten Burg. Sie ist das Wahrzeichen von Idar-Oberstein und eine der ungewöhnlichsten Kirchen in Rheinland-Pfalz. Hinein kommst du heute durch einen Tunnel im Berg und nur mit Führung.

Geschichte: Kirche unter dem Steinschlag

Erbauen ließ die Kirche Wirich IV. von Daun-Oberstein zwischen 1482 und 1484, auf den Fundamenten einer älteren Höhlenburg. Wem sie geweiht war, ist nicht sicher geklärt, Dokumente deuten auf die heilige Walburga. Von der Reformation bis 1964 war sie die evangelische Pfarrkirche von Oberstein.

Die Lage hatte ihren Preis. Steinschlag beschädigte die Kirche mehrfach schwer, 1742 und 1858 musste sie danach grundlegend umgebaut werden. Ende der 1970er-Jahre beschlossen Kirchengemeinde, Stadt und Land, den Felsen dauerhaft zu sichern. Ab 1980 stand an der Wand ein rund 70 m hohes Arbeitsgerüst, vermutlich das höchste, das bis dahin in Europa an einer Felswand errichtet worden war. 84 Anker halten seitdem lose Blöcke im Berg fest. Zu Ostern 1981 waren die Arbeiten nach fast drei Jahren abgeschlossen.

Die Sage vom Brudermord

Eine Sage verlegt die Geschichte ins 11. Jahrhundert. Auf der Burg Bosselstein über der Kirche lebten die Brüder Wyrich und Emich von Oberstein, beide verliebt in Bertha von Lichtenburg. Als Wyrich von der Verlobung seines jüngeren Bruders erfuhr, stieß er ihn aus dem Burgfenster. Zur Buße sollte er an der Stelle, wo Emich starb, eigenhändig eine Kapelle bauen. Als er Gott um ein Zeichen der Vergebung bat, entsprang im Fels eine Quelle. Bei der Einweihung sank Wyrich am Altar tot nieder.

Was du sehen solltest

  • Der Tunnel: Seit 1981 erreichst du die Kirche durch einen rund 38 m langen Fußgängertunnel mit zwei Bögen, der 9,50 m Höhenunterschied überwindet. Gesprengt wurde er im Sommer 1980, mit Rücksicht auf die Häuser darunter.
  • Der Flügelaltar: Das wichtigste Ausstattungsstück, gemalt vom sogenannten Meister des Obersteiner Altars, zeigt die Passion Christi.
  • Grabmal eines Ritters: Das Epitaph in voller Rüstung zeigt Philipp II. von Daun-Oberstein, den Vater des Erbauers.
  • Apostelbilder: An der Emporenbrüstung stehen die Apostel in einer bäuerlichen Umgebung, gemalt im 17. und 18. Jahrhundert.
  • Glasfragmente: Reste der spätgotischen Fenster, die beim Felssturz von 1742 zerbrachen.
  • Die Orgel: 2001 von Rainer Müller gebaut, im Gehäuse der Orgelbauer Stumm von 1756, mit 21 Registern.

Führungen und Preise (Stand: Oktober 2026)

Ein Besuch auf eigene Faust ist nicht möglich, die Kirche ist nur bei Führungen zugänglich.

  • 15. März bis 15. November: dienstags bis sonntags um 13:30 und 15 Uhr
  • Ferien und Feiertage in Rheinland-Pfalz: täglich um 11, 13:30 und 15 Uhr
  • Eintritt: Erwachsene 5 €, mit Gästekarte 4,50 €; ermäßigt (Kinder von 6 bis 16, Studierende, Menschen mit Behinderung ab GdB 50) 4 €
  • Familien: Das erste Kind von 6 bis 16 Jahren ist frei, jedes weitere zahlt 4 €

Buchungen für Gruppen laufen über die EdelSteinLand Tourist-Information. Gelegentlich finden in der Kirche Gottesdienste und Trauungen statt, an Heiligabend die Christmette.

Der Weg nach oben

Mit dem Auto kommst du nicht an die Kirche heran. Jeder Weg ist ein längerer Fußmarsch mit steilen Abschnitten und vielen Stufen. Am bequemsten ist der größtenteils ebene Weg vom Ende der Genossenschaftsstraße, dort gibt es allerdings keine Parkplätze. Auch dann musst du noch mehr als 40 Stufen im Tunnel bewältigen. Für Menschen im Rollstuhl, mit Rollator oder Herzbeschwerden ist der Besuch deshalb kaum machbar. Plane für Weg und Führung gut eine Stunde ein. Das beste Fotomotiv hast du von unten aus der Altstadt, wo die Kirche über den Dächern in der Felswand sitzt.

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