Höhlen
Schlossberghöhlen Homburg
Homburg, Saarland
- 60–90 Min.
Höhlen
Homburg, Saarland
Gelb, ocker, rostrot: In den Schlossberghöhlen in Homburg ziehen sich farbige Bänder über Wände und Decken, als hätte jemand Marmorpapier in den Berg geklebt. Die Gänge und Hallen hat aber kein Wasser geformt, sondern der Mensch. Über Jahrhunderte gruben Bergleute hier Sand ab und hinterließen ein Labyrinth aus zwölf Stockwerken auf einer Fläche von rund 140 mal 60 m. Nach Angaben der Stadt Homburg sind es die größten Buntsandsteinhöhlen Europas.
Buntsandstein verkarstet nicht, natürliche Höhlen dieser Größe können darin nicht entstehen. Vermutlich gruben schon im frühen Mittelalter Menschen Fluchtgänge für die Hohenburg, die oben auf dem Schlossberg stand. Später wurde der weiche, quarzreiche Sand selbst zum Rohstoff: zuerst für die Glasherstellung, dann als Scheuersand und als Formsand für die Eisenindustrie. 1671 ist erstmals ein Bergwerk erwähnt.
Als König Ludwig XIV. Homburg durch seinen Festungsbaumeister Vauban zur Festung ausbauen ließ, dienten die Höhlen als Magazin. 1708 beschrieb ein französischer Pionieroffizier beschädigte Gänge und verdorbene Vorräte an Munition und Lebensmitteln. 1872 wurden die Höhlen auf behördliche Anordnung zugeschüttet, nach einer Vermessung 1893 endete der Sandabbau. Erst 1932 entdeckte man sie wieder, im Zweiten Weltkrieg suchten Homburger hier Schutz vor Luftangriffen.
Anfang der 1950er-Jahre ließ die saarländische Regierung unter Johannes Hoffmann in den unteren neun Stockwerken heimlich einen Bunker anlegen. Zur Tarnung entstand gleichzeitig darüber das heutige Schlossberghotel. Mit Hoffmanns Rücktritt 1955 wurde auch der Bunkerausbau eingestellt.
Die Farbe des Gesteins kommt vom Eisen: Rote Partien enthalten mehr davon, der gelbliche Sandstein besteht zu rund 95 Prozent aus Quarz. Seit der Sanierung gelten die Höhlen als Besucherbergwerk und unterliegen dem Bergrecht. 2007 wurde zunächst das zehnte Stockwerk wieder geöffnet, später auch die Stockwerke 11 und 12. Durch einen 30 m tiefen Schacht sind die Höhlen außerdem mit einem Stollen der Karlsberg-Brauerei verbunden.
In den Höhlen herrschen das ganze Jahr über 10 °C bei 80 bis 90 Prozent Luftfeuchtigkeit, nimm also auch im Sommer eine Jacke mit. Für den Rundgang solltest du etwa eine Stunde einplanen. Informationen gibt es auf Deutsch, Englisch und Französisch. Gruppen ab zehn Personen melden sich vorher an und können eine Führung buchen.
Bezahlt wird nur bar, Kartenzahlung ist nicht möglich.
Der Eingang liegt an der Schlossberg-Höhen-Straße am Schlossberg über der Homburger Innenstadt. Über dem Bunkerteil steht das Schlossberghotel, das einst die Bauarbeiten tarnen sollte. Das Römermuseum Schwarzenacker liegt nur wenige Kilometer entfernt und passt mit dem Kombiticket gut in denselben Tag.
Prüfe aktuelle Informationen vor dem Besuch.
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