Burgen
Burg Berwartstein
Erlenbach bei Dahn, Rheinland-Pfalz
- 1–2 Std.
Burgen
Erlenbach bei Dahn, Rheinland-Pfalz
Von Weitem sieht der Berwartstein aus wie eine Burg aus dem Bilderbuch: Türmchen, Bergfried, rote Dächer über dem Wald bei Erlenbach. Das Spannendere steckt aber im Felsen darunter. Treppen, Gänge und Kammern sind direkt in den roten Sandstein gehauen, ein Brunnen reicht senkrecht durch den Berg bis zum Grundwasser. Und im 15. Jahrhundert saß hier ein Ritter, der aus Wut einer ganzen Stadt das Wasser abdrehte und dann flutete: Hans von Trotha, im Volksmund Hans Trapp.
Erstmals erwähnt wird die Burg 1152, als Kaiser Friedrich Barbarossa sie dem Speyerer Bischof Günther schenkte. Im 13. Jahrhundert verwaltete sie ein Geschlecht, das sich nach ihr nannte. Weil man den Berwartsteinern Raubzüge vorwarf, belagerten Truppen aus Straßburg und Hagenau die Burg fünf Wochen lang und nahmen sie ein. 1347 kaufte das Kloster Weißenburg die Anlage für 800 Gulden.
1480 übergab Kurfürst Philipp der Aufrichtige die Burg seinem Marschall Hans von Trotha. Der ließ sie weiter befestigen und baute 1484 gegenüber ein Vorwerk mit starkem Turm, später „Klein-Frankreich“ genannt. Mit dem Kloster Weißenburg lag er ständig im Streit. Als der Abt protestierte, staute Trotha die Wieslauter auf und nahm dem rund 8 km flussabwärts gelegenen Städtchen Weißenburg das Wasser. Auf die Beschwerden hin ließ er den Damm einreißen, und die Flutwelle überschwemmte die Stadt. Es folgten Reichsacht (1496) und Kirchenbann (1499), was den Ritter bis zu seinem Tod 1503 wenig kümmerte. Zwei Jahre später wurden alle Strafen aufgehoben.
1590 brannte die Burg nach einem Blitzschlag aus und blieb 300 Jahre Ruine. 1893 kaufte sie Theodor von Baginski, ließ sie innerhalb von zwei Jahren wieder aufbauen, vieles davon frei nachempfunden, und wohnte dort von 1899 bis zu seinem Tod. Bis heute ist der Berwartstein in Privatbesitz und bewohnt, als einzige Burg im Wasgau.
Hans Trapp lebt bis heute weiter: Unter diesem Namen ging der Ritter ins Sagengut der Region ein. Ob ein geheimer Gang die Burg mit dem 370 m entfernten Vorwerk Klein-Frankreich verband, ist reine Spekulation. Die Idee entstand, weil man nahe dem Vorwerk einen abgedeckten, mit Erde getarnten Graben fand.
Du kannst die Burg mit oder ohne Führung besichtigen. Rechne mit ein bis zwei Stunden, mit Einkehr länger. Die Führung eignet sich gut für Familien mit Kindern. Achtung: Auf der Burg ist nur Barzahlung möglich. Angeleinte Hunde sind willkommen. In den Felsgängen geht es über viele Stufen und schmale Treppen, plane das mit kleinen Kindern ein.
Die Burggastronomie hat rund 130 Plätze im Freien und durchgehend warme Küche, im Winter gibt es eine beheizte Orangerie.
Kostenlose Parkplätze für Autos und Busse gibt es unterhalb der Burg, der Fußweg dauert etwa 5 Minuten. Der Berwartstein liegt im Dahner Felsenland, wo viele Burgen in den Fels gebaut sind. Die Ruine Drachenfels liegt rund 3 km entfernt, die Dahner Burgengruppe Altdahn, Grafendahn und Tanstein etwa 5 km. Weißenburg im Elsass, der Ort der Wasserfehde, ist etwa 8 km flussabwärts.
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