Historische Orte & Gedenkstätten
Bücher- und Bunkerstadt Wünsdorf
Zossen, Brandenburg
- 1,5–4,5 Std.
Historische Orte & Gedenkstätten
Zossen, Brandenburg
Im Kiefernwald südlich von Berlin liegt einer der seltsamsten Orte Brandenburgs: In Wünsdorf-Waldstadt bei Zossen saß im Zweiten Weltkrieg das Oberkommando des Heeres in getarnten Bunkern, danach bis 1994 das Hauptquartier der sowjetischen Truppen in Deutschland, abgeschottet als „Verbotene Stadt". Heute führen Guides durch gesprengte Betonruinen und den Nachrichtenbunker Zeppelin, und zwischen Kasernen und Bunkern verkaufen Antiquariate alte Bücher. Daher der Name Bücher- und Bunkerstadt.
Militärisch genutzt wurde das Gelände schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts. Ab 1937 entstanden die bombensicheren Bunkeranlagen Maybach I und Maybach II, oberirdisch als Siedlung im Landhausstil getarnt, dazu die Nachrichtenzentrale Zeppelin mit der Tarnbezeichnung „Amt 500". Wenige Tage vor dem Überfall auf Polen zog am 26. August 1939 das Hauptquartier des Heeres hier ein. Bis April 1945 liefen über Zeppelin Befehle an die Truppen in ganz Europa; es war einer der größten Nachrichtenknoten der Wehrmacht. Die Rote Armee übernahm die Anlagen fast unzerstört und sprengte 1946 die Stabsbunker Maybach I und II.
Danach wurde Wünsdorf Sitz des Oberkommandos der sowjetischen Streitkräfte. Zu Spitzenzeiten lebten hier 50.000 bis 75.000 sowjetische Soldaten und Familien, mit Schulen, Geschäften und einem täglichen Zug nach Moskau, während DDR-Bürger das Sperrgebiet nicht betreten durften. Nach dem Abzug 1994 blieben eine leere Garnisonsstadt und 260 Hektar munitionsverdächtiges Gelände. Seit 1998 gibt es hier eine Bücherstadt, eines der wenigen Bücherdörfer Deutschlands.
Montags gibt es keine Bunkerführungen. Die Plätze sind begrenzt, deshalb bittet der Veranstalter um Anmeldung per Telefon oder E-Mail. Tickets gibt es im Haus Oskar, Zehrensdorfer Straße 12, dort starten auch alle Führungen. Angeleinte, ruhige Hunde dürfen mit.
Wünsdorf liegt rund 40 km südlich von Berlin an der B96. Mit dem Auto fährst du durch Zossen, biegst hinter dem Ortsausgang an der Ampel links in die Fritz-Jaeger-Allee und an der Kommandantenvilla rechts in die Zehrensdorfer Straße; nach etwa 400 m erreichst du den Parkplatz am Gutenberghaus. Mit der Bahn fährst du mit RE5 oder RE7 bis Zossen und weiter mit Bus oder Taxi; der Bus 701 wird derzeit umgestellt, prüf die Verbindung vorher. Zu Fuß oder mit dem Rad kannst du auch am Bahnhof Wünsdorf-Waldstadt aussteigen.
Plane einen halben Tag ein: Führung, ein Museum und eine Runde durch das Antiquariat. Zieh feste, geschlossene Schuhe und eine warme Jacke an, auch im Hochsommer. Die Anlagen sind nicht barrierefrei, und für die längeren Touren brauchst du eine gute Taschenlampe. Wer mehr über die sowjetische Zeit erfahren will, bucht die geführte Wanderung „Rund um Lenin" durch die frühere „Verbotene Stadt", die an einzelnen Terminen angeboten wird.
Prüfe aktuelle Informationen vor dem Besuch.
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