Altstädte & Plätze
Altstadt Nördlingen
Nördlingen, Bayern
- 3–5 Std.
Altstädte & Plätze
Nördlingen, Bayern
Die Altstadt von Nördlingen ist fast kreisrund und liegt mitten in einem Meteoritenkrater: dem Nördlinger Ries, das vor rund 15 Millionen Jahren durch einen Einschlag entstand. Eine vollständig erhaltene Stadtmauer umschließt Gassen, Fachwerk und Kirchen, und über allem ragt der Turm Daniel auf. Kaum eine Stadt in Deutschland zeigt ihren mittelalterlichen Grundriss so klar wie Nördlingen, am besten zu erkennen von der Mauer oder vom Turm aus.
Erstmals erwähnt wird Nördlingen 898. Ab der Stadterhebung unter dem Staufer Friedrich II. war es bis 1802 freie Reichsstadt. Die Lage an zwei großen Handelsstraßen, Frankfurt–Augsburg und Nürnberg–Ulm, machte die Stadt reich: Die Pfingstmesse, 1219 erstmals erwähnt, gehörte zu den wichtigsten Fernhandelsmessen Deutschlands. 1327 entstand der heutige Mauerring, der die Stadtfläche vervierfachte, 1427 begann der Bau der St.-Georgs-Kirche.
Der Dreißigjährige Krieg und verlagerte Handelswege brachten den Niedergang. Weil danach kaum Geld für Neubauten da war, blieb das Stadtbild erhalten. Von 1984 bis 1993 stand Nördlingen zusammen mit Dinkelsbühl und Rothenburg ob der Tauber auf der deutschen Vorschlagsliste für das UNESCO-Welterbe.
Die Mauer ist rund 2,6 km lang und gehört zu den besterhaltenen in Deutschland. Ihr überdachter Wehrgang ist rundum begehbar, du kannst also die ganze Altstadt auf der Mauer umrunden.
Der Turm der spätgotischen St.-Georgs-Kirche ist 89,9 m hoch. 350 Stufen führen zur Aussichtsgalerie auf gut 70 m, von dort erkennst du den Kraterrand ringsum als Hügelkette. In der Turmstube darunter arbeitet bis heute ein Türmer, ein Beruf, den es nur noch in wenigen Städten Europas gibt. Jeden Abend zwischen 22 und 24 Uhr ruft er halbstündlich „So G’sell so“ über die Dächer. Eine Legende verknüpft den Ruf mit einem Überfallversuch im Jahr 1440, wahrscheinlicher ist ein praktischer Zweck: Die Wächter zeigten sich so gegenseitig, dass sie wach waren.
Nördlich der Kirche liegt der Marktplatz. Das Brot- und Tanzhaus von 1442–1444 diente den Tuchhändlern während der Messe, das Fachwerkhaus Metzig von 1363 den Metzgern. Das Rathaus, schon 1313 belegt, dient seit 1382 als Rathaus. Gegenüber steht das Gasthaus zur Sonne von 1350, in dem Kaiser, 1788 Goethe und 1970 die Astronauten des Apollo-Programms übernachteten.
Viele Häuser, die Kirche und Teile der Mauer bestehen aus Suevit, einem Gestein, das beim Einschlag entstand und winzige, wirtschaftlich wertlose Diamanten enthält. Im Rieskrater-Museum in einem Stadel von etwa 1503 erfährst du, wie der Krater entstand. Dort liegt auch echtes Mondgestein, eine Dauerleihgabe der NASA. Die Raumfahrtbehörde ließ 1970 die Astronauten von Apollo 14 im Ries trainieren, weil das Gestein dem der Mondoberfläche ähnelt.
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