Museen
Dokumentationsstätte Regierungsbunker
Bad Neuenahr-Ahrweiler, Rheinland-Pfalz
- 1,5–2 Std.
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Bad Neuenahr-Ahrweiler, Rheinland-Pfalz
Im Ernstfall hätten hier Bundeskanzler, Bundespräsident und rund 3000 Menschen 30 Tage lang hinter verschlossenen Stahltoren ausgeharrt, während draußen ein Atomkrieg tobte. Der Regierungsbunker im Ahrtal war eines der bestgehüteten Geheimnisse der alten Bundesrepublik: 17,3 km Stollen unter den Weinbergen zwischen Ahrweiler und Dernau. Fast alles wurde nach dem Kalten Krieg entkernt. Ein 203 m langes Stück blieb erhalten und ist heute die Dokumentationsstätte Regierungsbunker.
Die Grundlage bildeten zwei Tunnel einer strategischen Bahnstrecke, die vor dem Ersten Weltkrieg gebaut, aber nie in Betrieb genommen wurde. In den 1930er-Jahren züchtete man darin Champignons, im Zweiten Weltkrieg nutzten Rüstungsbetriebe die Röhren, Zwangsarbeiter aus einem Außenlager des KZ Buchenwald mussten hier unter anderem Fahrzeuge für V2-Raketen bauen.
Von 1960 bis 1972 baute der Bund die Tunnel unter größter Geheimhaltung zum „Ausweichsitz der Verfassungsorgane“ aus. Tarnnamen waren etwa „Rosengarten“ oder „Dienststelle Marienthal“. Am Ende umfasste die Anlage 936 Schlaf- und 897 Büroräume, rund 3300 Stahltüren, eigene Brunnen, Stromaggregate, Küchen, ein Lazarett und sogar einen Friseursalon. Die Kosten werden auf rund drei Milliarden DM geschätzt, genaue Zahlen sind bis heute nicht bekannt.
Genutzt wurde der Bunker bei NATO-Übungen: erstmals 1966, zuletzt im März 1989, wenige Monate vor dem Fall der Mauer. Dabei probten bis zu 30 Tage lang ein Notparlament und ein „Übungskanzler“ das Regieren unter Tage. 1997 beschloss die Bundesregierung die Aufgabe, bis 2006 wurde die Anlage geräumt. Seit 2008 ist das erhaltene Stück ein Museum, 2009 erhielt der Regierungsbunker das Europäische Kulturerbe-Siegel.
Viele Dokumente in der Ausstellung stammen aus den Akten der DDR-Staatssicherheit, denn die westdeutschen Unterlagen sind großteils noch immer geheim. 2008 wurde bekannt, dass der Bunker nur einer Bombe von etwa 20 Kilotonnen standgehalten hätte, vergleichbar mit Hiroshima. Gutachten rechneten schon 1962 mit weit stärkeren Waffen, gebaut wurde trotzdem weiter.
Den Bunker besichtigst du nur bei einer Führung von etwa 90 Minuten. Für die regulären Einzelführungen musst du vorab ein Ticket im Onlineshop buchen.
Gruppen können ganzjährig außer montags buchen, Führungen gibt es dann auch auf Englisch, Französisch, Niederländisch und in weiteren Sprachen. Für Familien gibt es Sonderführungen mit einem Koffer voller Originalobjekte.
Die Adresse lautet Am Silberberg 0 in Bad Neuenahr-Ahrweiler, das Museum liegt im Wald oberhalb der Römervilla. Am Museum gibt es 65 Parkplätze; park nicht am Straßenrand der Zufahrt, dort werden Fahrzeuge abgeschleppt. Mit der Bahn fährst du bis „Ahrweiler Markt“ oder „Walporzheim“, von dort sind es jeweils rund 1,5 km zu Fuß. Ein Besuch lässt sich gut mit der Altstadt von Ahrweiler und einer Weinwanderung im Ahrtal verbinden.
Prüfe aktuelle Informationen vor dem Besuch.
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