Kirchen & Klöster
Kloster Scheyern
Dachau, Bayern
- 1–3 Std.
Kirchen & Klöster
Dachau, Bayern
Wo heute Benediktiner beten, stand einst die Stammburg einer der mächtigsten Familien Europas: Die Grafen von Scheyern nannten sich später Wittelsbacher und regierten Bayern bis 1918. Als sie in ihre neue Burg Wittelsbach umzogen, überließen sie die alte Burg den Mönchen. Kloster Scheyern zwischen Pfaffenhofen an der Ilm und Dachau ist deshalb Hauskloster und älteste Grablege der Dynastie, Wallfahrtsort zum Heiligen Kreuz und, nicht zuletzt, eine Klosterbrauerei mit Biergarten.
Die Geschichte der Abtei beginnt weit im Süden. Gräfin Haziga unterstützte 1077 die Gründung einer Mönchszelle im heutigen Bayrischzell, besiedelt von Mönchen aus Hirsau im Schwarzwald. Die Gemeinschaft zog nach Fischbachau, dann auf den Petersberg bei Dachau und 1119 schließlich nach Scheyern, als Graf Otto ihr die frei gewordene Burg übergab. Deshalb trägt das Kloster bis heute den langen offiziellen Namen „Bayrischzell-Fischbachau-Petersberg/Eisenhofen-Scheyern“.
Im 13. Jahrhundert war Scheyern für seine Malschule und sein Skriptorium bekannt. 1803 wurde das Kloster im Zuge der Säkularisation aufgehoben und verkauft. König Ludwig I., selbst ein Wittelsbacher, holte die Benediktiner 1838 zurück, 1842 wurde Scheyern wieder Abtei. Im Zweiten Weltkrieg lagerten hier Bibliothek und Material des Thesaurus Linguae Latinae, des großen Wörterbuchs der lateinischen Sprache. Heute lebt eine kleine Gemeinschaft von rund einem Dutzend Mönchen im Kloster.
An Sonn- und Feiertagen um 15 Uhr führt ein Mönch Einzelbesucher ohne Anmeldung durch Basilika, Kreuzgang, Sakristei und Johanneskirche. Die Führung dauert etwa eine Stunde und kostet 5 € pro Person, Treffpunkt ist der Haupteingang der Kirche. Gruppen ab 12 Personen können Führungen über die Klosterverwaltung buchen, Telefon 08441 752-230. An großen Festtagen kann sich die Uhrzeit verschieben, Hinweise stehen auf der Website des Klosters. Zu den Kreuzfesten im Mai und September kommen viele Wallfahrer nach Scheyern.
Spätestens seit 1119 wird in Scheyern gebraut, seit 2006 wieder in den Mauern des alten Brauhauses. Das Motto der Brauerei lautet „Nunc est bibendum“, jetzt lasst uns trinken. Ausschenkt wird in der Klosterschenke am Schyrenplatz: Bräustüberl, Klosterstuben und bei schönem Wetter ein Biergarten. Eine Taverne betrieb das Kloster schon seit 1568. Im Klosterladen gibt es Bier, Käse aus der Klosterkäserei und Brände aus der eigenen Brennerei, er hat dienstags bis freitags geöffnet.
Scheyern liegt im Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm, rund 50 Kilometer nördlich von München. Mit dem Auto erreichst du das Kloster über die A9, Ausfahrt Pfaffenhofen. Der nächste Bahnhof ist Pfaffenhofen an der Ilm an der Strecke München–Ingolstadt, von dort sind es wenige Kilometer.
Plane den Besuch auf einen Sonntag: Erst um 15 Uhr die Führung mit dem Mönch, danach Brotzeit und Klosterbier im Biergarten. Für Kirche und Rundgang reicht eine bis eineinhalb Stunden, mit Einkehr ein halber Tag. Wer das Geläut hören will, ist am Samstag um 15 Uhr richtig, dann wird der Sonntag eingeläutet.
Prüfe aktuelle Informationen vor dem Besuch.
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