Kirchen & Klöster
Altenberger Dom
Odenthal, Nordrhein-Westfalen
- 30–90 Min.
Kirchen & Klöster
Odenthal, Nordrhein-Westfalen
Der Altenberger Dom steht nicht in einer Stadt, sondern mitten im Wald des Dhünntals, gut 20 Kilometer nordöstlich von Köln. Umso überraschender wirkt die hohe gotische Kirche, die hier zwischen Wiesen und Klostergebäuden aufragt. Ein Bischofssitz war Altenberg nie, „Dom“ nennt man die frühere Zisterzienserkirche wegen ihrer kathedralhaften Größe. Ihr berühmtestes Stück ist das Westfenster: 144 Quadratmeter Glasmalerei, das größte gotische Fenster nördlich der Alpen.
1133 kamen Zisterziensermönche nach Altenberg. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts lebten hier 107 Priestermönche und 138 Laienbrüder, die erste romanische Kirche wurde zu klein. Am 3. März 1259 legte Graf Adolf IV. von Berg den Grundstein für den Neubau, kaum später als die Dome von Köln und Utrecht begonnen wurden. Der Chor wurde 1287 geweiht, die ganze Kirche 1379. Bis 1511 ließen sich hier die Grafen und Herzöge von Berg bestatten.
Nach der Auflösung der Abtei 1803 folgte der Absturz. Ein Weinhändler kaufte die Anlage, Pächter richteten eine Chemiefabrik für Berliner Blau ein. In der Nacht vom 6. auf den 7. November 1815 löste eine Explosion einen Brand aus, der die Klostergebäude zerstörte und den Dachstuhl der Kirche vernichtete. Bis 1835 stürzten Teile von Querhaus, Vierung und Chor ein, die Ruine diente zeitweise als Steinbruch. Ab 1834 begann die Rettung, König Friedrich Wilhelm III. übernahm den größten Teil der Kosten. Sein Sohn knüpfte daran eine Bedingung: Die Kirche sollte künftig beiden Konfessionen gehören. Seit dem ersten evangelischen Gottesdienst am 13. August 1857 ist der Altenberger Dom Simultankirche. Eigentümer ist heute das Land Nordrhein-Westfalen.
Die Simultannutzung ist bis heute fest geregelt: Die evangelische Gemeinde hat den Dom täglich von 8 bis 10 Uhr und von 13:30 bis 15:30 Uhr, die übrige Zeit gehört der katholischen. 2012 fand man in einer Schachtel in der Sakristei der Odenthaler Pfarrkirche zwei Kopfreliquien wieder, die seit dem 18. Jahrhundert verschollen waren. Seit 2014 sind sie in einem Doppelreliquiar von Heinz Mack zurück in Altenberg. Im Haus Altenberg neben dem Dom lag ab den 1920er Jahren das Zentrum der katholischen Jugendarbeit in Deutschland.
Der Dom ist tagsüber geöffnet, während der Gottesdienste ist keine Besichtigung möglich. Von Mai bis Oktober gibt es sonntags geistliche Musik um 11:45 Uhr (katholisch) und um 14:30 Uhr (evangelisch), dazu ein Konzertprogramm beider Gemeinden. Für die Kirche selbst reichen 30 bis 60 Minuten, mit einem Spaziergang durchs Dhünntal leicht ein halber Tag. Altenberg gehört zur Gemeinde Odenthal im Rheinisch-Bergischen Kreis, die Fahrstrecke von Köln beträgt gut 20 Kilometer.
Stell dich nach dem Besuch auf die Wiese vor der Westfassade. Erst von dort siehst du, wie das riesige Fenster fast die ganze Front ausfüllt, und gleichzeitig, wie schlicht der Bau sonst ist: kein Turm, nur ein Dachreiter, ganz nach der Regel der Zisterzienser.
Prüfe aktuelle Informationen vor dem Besuch.
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