Kirchen & Klöster
Dom St. Blasien
St. Blasien, Baden-Württemberg
- 30–90 Min.
Kirchen & Klöster
St. Blasien, Baden-Württemberg
Wer über die Höhen von Bernau oder Todtmoos nach St. Blasien kommt, rechnet nicht mit diesem Anblick: Mitten in einem engen Schwarzwaldtal erhebt sich eine grüne Kuppel, die eher nach Rom als nach Hochschwarzwald aussieht. Der Dom St. Blasien, im Volksmund „Schwarzwälder Dom“, ist die ehemalige Abteikirche eines der reichsten Benediktinerklöster im Südwesten. Bei seiner Weihe 1783 war er die drittgrößte Kuppelkirche Europas, und die Kuppel mit 36 m Spannweite gehört bis heute zu den größten des Kontinents.
Ein Brand zerstörte 1768 die mittelalterliche Klosterkirche. Fürstabt Martin Gerbert nutzte die Katastrophe für ein ehrgeiziges Projekt: Statt einer klassischen Barockkirche ließ er vom französischen Architekten Pierre Michel d'Ixnard einen Zentralbau nach dem Vorbild des Pantheons in Rom planen, ein frühes Werk des Klassizismus in Deutschland. Gerbert verfolgte dabei auch politische Ziele. St. Blasien gehörte zu Vorderösterreich, und 1770 ließ er die Gebeine von 14 frühen Habsburgern aus Basel und Königsfelden in der Schweiz hierher überführen, darunter Gertrud von Hohenberg, die Frau König Rudolfs I. Das Kloster sollte so zur Grablege der Dynastie werden und politisch unangreifbar.
Geholfen hat es wenig. 1806 fiel St. Blasien an Baden, die Mönche zogen nach Österreich ins Stift St. Paul im Lavanttal und nahmen Bibliothek und Kirchenschatz mit. In die Klostergebäude zogen Fabriken. 1874 brach in einer Spinnerei ein Feuer aus, die hölzerne Kuppel stürzte ein. Erst 1910 bis 1913 entstand die Innenkuppel neu, als eine der ersten Kuppeln aus Eisenbeton. Daran hängt die eigentliche Zierkuppel, die du heute von unten siehst.
Bei der Außenrenovierung 1985 fanden die Handwerker in der Kupferdeckung der Kuppel noch zahlreiche Einschusslöcher aus dem Zweiten Weltkrieg. Und der Name „Dom“ ist streng genommen falsch: St. Blasien war nie Bischofssitz, als Klosterkirche müsste die Kirche Münster heißen.
Für Dom und Domplatz reichen 30 bis 60 Minuten. Mit einem Konzert oder einem Spaziergang durch das Albtal wird ein halber Tag daraus.
Der Dom steht an der Fürstabt-Gerbert-Straße 16. Von Freiburg oder Titisee fährst du über die B 500 Richtung Waldshut bis Häusern, von dort sind es noch rund 4 km. Aus der Schweiz kommst du über Waldshut auf derselben Straße. Einen barrierefreien Zugang gibt es, im Winter bleibt er wegen Dachlawinen allerdings geschlossen.
Plane den Besuch so, dass du in der Nachmittagssonne über den Domplatz auf die Fassade zugehst. Am Abend werden Dom und Platz beleuchtet. Wer Wasser mag, fährt anschließend weiter zum Schluchsee, der nur wenige Kilometer nördlich liegt.
Prüfe aktuelle Informationen vor dem Besuch.
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